Mit dem Projekt E-WIN (Effizienter Winterdienst auf Radverkehrsanlagen) folgt das Hamburger Institute for Innovation, Climate Protection, and Circular Economy (HiiCCE) einem Forschungsauftrag für effiziente und ökologisch sinnvolle Streumittel am Beispiel Hamburg.
Das Projekt wird von der Stadtreinigung Hamburg in Zusammenarbeit mit HiiCCE durchgeführt und von der Technischen Universität Dresden begleitet.
Alternative Streumittel für sichere Radwege – auch im Winter!

Was ist „E-Win“?

Mit dem Projekt E-WIN (Effizienter Winterdienst auf Radverkehrsanlagen) folgt die Stadtreinigung Hamburg einem Forschungsauftrag für effiziente und ökologisch sinnvolle Streumittel am Beispiel Hamburg. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit dem Hamburg Institute for Innovation, Climate Protection and Circular Economy (HiiCCE) durchgeführt und von der Technischen Universität Dresden begleitet. Ziel ist es, alternative Streumittel für Radwege zu finden, die den Radfahrenden ein hohes Maß an Sicherheit und eine Alternative zu dem bislang genutzten Kies bieten – ohne den Grünflächen und Gewässern zu schaden.
Denn das handelsübliche Streusalz hat für die Umwelt nachhaltige negative Auswirkungen und darf in Hamburg auf Fuß- und Radwegen aus diesem Grund
nicht verwendet werden.

Hamburg taut auf – der Info-Film zum Forschungsprojekt

Das Ziel des Projekts ist daher:

  • die Verbesserung der Sicherheit auf Radwegen bei Schnee und Glätte,
  • das Radfahren auch in den Wintermonaten zu fördern und attraktiver zu machen,
  • die Erforschung von Wirksamkeit und Umweltverträglichkeit alternativer Streustoffe sowie
  • Erkenntnisse zu dokumentieren und anderen Städten oder Kommunen zur Verfügung zu stellen.

Projektstart: August 2019
Projektende: Juli 2022

Ansprechpartnerin:
Britta Peters
Stadtreinigung Hamburg
Bullerdeich 19, 20537 Hamburg
Telefon: 040 25761752
E-Mail: britta.peters@stadtreinigung.hamburg

Unsere Partner

Drei alternative Streustoffe machen jetzt den Praxistest:

Die Wirksamkeit des heute eingesetzten Kieses als abstumpfendes Streumittel zur Minderung der Sturzgefahr von Radfahrenden bei Schnee und Glätte stößt vielfältig an Grenzen und führt häufig nicht zu optimalen Ergebnissen. Im Gegenteil, sowohl bei Eisglätte, als auch nach dem Tauen des Schnees wird Kies oder Split von vielen Radfahrenden eher als ein zusätzliches Sicherheitsrisiko wahrgenommen, zumal dessen Beseitigung zum Teil recht viel Zeit in Anspruch nimmt. Abhilfe könnten andere Streu- bzw. Taumittel liefern. In Hamburg und vielen weiteren deutschen Kommunen ist der Einsatz von Tausalz oder tausalzhaltigen Streumitteln jedoch gemäß den Wegegesetzen auf Geh- und Radwegen aus ökologischen Gründen untersagt und nur auf Fahrbahnen oder an besonders unfallträchtigen Stellen zulässig. Es soll daher im Rahmen des geplanten Forschungsvorhabens erstmals die Nutzung alternativer Taumittel sowie abstumpfender Mittel für den radverkehrsspezifischen Winterdienst in Hamburg getestet werden. Diese alternativen Streumittel sollen sowohl ökologischen als auch funktionalen Anforderungen der Betreiber und der Radfahrenden genügen.

1. Kaliumacetat

Nicht schädlich für Pflanzen, potenzielle Düngung durch Kalium.

2. Natriumformiat

Positive Einschätzung aus der Literatur, mögliche Sauerstoffzehrung bei Abbau in Gewässern.

3. Kalzium-Magnesium-Acetat (CMA)

Sehr positive Einschätzung aus der Literatur, keine direkte Toxizität bei Pflanzen, Verbesserung der Bodenqualität.

4. Natriumchlorid

Ist in Hamburg und vielen weiteren deutschen Kommunen gemäß den Wegegesetzen auf Geh- und Radwegen aus ökologischen Gründen untersagt. Natriumchlorid wird daher im Forschungsprojekt E-WIN nur als Referenzstoff eingesetzt.

Wissenschaftliche Ergebnisse

Mit dem Projekt wird erstmals in Deutschland wissenschaftlich fundiert die Nutzung alternativer Taumittel für den Winterdienst auf Radverkehrsanlagen untersucht. Die Steigerung der Attraktivität des Radfahrens im Winter setzt voraus, dass ein geeigneter Streustoff gefunden wird, der einerseits die tägliche Verkehrssicherheit garantiert, das subjektive Sicherheitsgefühl der Radfahrenden steigert und den Belangen des Umweltschutzes gerecht wird. Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitforschung werden daher sowohl geeignete Befragungs- und Analysemethoden entwickelt, als auch grundlegende Untersuchungen zu den chemisch-physikalischen Eigenschaften der Taustoffe inklusive einer Ökobilanzierung durchgeführt. Mögliche Genehmigungen von alternativen Winterdienstmitteln können so in Hamburg und in anderen Kommunen auf Basis der Projektergebnisse fundiert diskutiert werden.

Laboruntersuchung zur Tauwirkung

Ökobilanzierung

Befragungen

Wie wird getestet?

Zunächst wurden geeignete Streustoffe und Mischverhältnisse bzw. Zusammensetzungen anhand einer Literaturrecherche identifiziert und in verschiedenen Laboren auf ihre Wirksamkeit und Umweltverträglichkeit hin untersucht. Daraus ergab sich die Auswahl der drei o.g. Streustoffe. Diese und Natriumchlorid als Referenzstoff wurden im Winter 2020/2021 zuerst auf dem Betriebsgelände von Airbus und im Gebiet des Hamburger Hafens getestet und Radfahrende direkt nach Befahren der Teststrecke zur Praxistauglichkeit befragt.

Im Winter 2021/2022 werden dieselben Streustoffe auf ausgewählten Radwegen im öffentlichen Raum getestet. Auch an diesen Teststrecken findet eine Vor-Ort-Befragung von Radfahrenden in Bezug auf die Tauglichkeit für den Nutzer statt. Um die Untersuchungsergebnisse nach Projektende unmittelbar anwenden zu können und um die Übertragbarkeit auf andere Kommunen sicherzustellen, ist die grundsätzliche Genehmigungsfähigkeit der alternativen Streustoffe von hoher Bedeutung. Die zuständigen Hamburger Behörden „Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft“ und „Behörde für Verkehr und Mobilitätswende“ werden daher intensiv in das Forschungsvorhaben eingebunden und der Prozess dokumentiert. Außerdem werden operative Aspekte (u.a. Wirtschaftlichkeit und technische Umsetzbarkeit) des Einsatzes der alternativen Streustoffe von der Stadtreinigung Hamburg bewertet und dokumentiert.

Hamburg erforscht die Alternativen!

2019 – 2022: Labortests zu Wirksamkeit und Umweltauswirkungen
Winter 2020/21: Test der alternativen Streustoffe auf Betriebsgeländen
Winter 2021/22: Test im öffentlichen Raum, Befragung der Radfahrenden

Wann wird getestet?

Bei einsetzendem Frost und Schneefall machen wir eine Prognose für den Morgen des Folgetages. Ist diese für einen Test ausreichend, stellen wir Material und ein Team zusammen. Somit können wir leider nicht fest voraussagen, wann die Testrecken besetzt sein werden.

Sollten Sie uns dort antreffen, freuen wir uns sehr über Ihre Teilnahme und Ihre Meinung.

 

Wie läuft der Test ab?

Ab 6:00 Uhr: Unterteilung der Strecke in vier Zonen. Auftragen der 3 alternativen Streustoffe, sowie des Vergleichsstoffes Natriumchlorid („Streusalz“).

Ab 7:00 Uhr: Befahren der Strecke durch Testpersonen und anschließende Befragung zu Sicherheit und Fahrgefühl, sowie der Wahrnehmung des Winterdienstes in den Wintermonaten.

Ab 9:30 Uhr: Abbau

Testen Sie mit und gewinnen Sie!

Machen Sie mit: Testen Sie mit Ihrem eigenen Rad bei Glätte und Schnee auf unseren zwei Teststrecken im Stadtgebiet und nehmen Sie an unserer Befragung vor Ort oder online teil. Unter allen Teilnehmenden verlosen wir 3 Gutscheine* im Wert von je 100 Euro der BIKE & OUTDOOR COMPANY (B.O.C.).

Teilnahmemöglichkeiten erhalten Sie nach Befahren der Teststrecke.

* der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Teilnehmen können alle Personen ab 18 Jahren. Teilnehmern*innen willigen in die Verwendung Ihrer Daten zum Zwecke der Gewinnermittlung ein. Eine Barauszahlung ist ausgeschlossen.

Zone 1

Eingesetztes Mittel: Natriumchlorid (als Referenzstoff)

Zone 2

Eingesetztes Mittel: Kaliumacetat

Zone 3

Eingestztes Mittel: Natriumformiat

Zone 4

Eingesetztes Mittel: Kalzium-Magnesium-Acetat (CMA)

Wo wird getestet?

Die Auswahl der Testrecken erfolgt nach den Kriterien:

  • Beschaffenheit des Untergrundes
  • Ausreichende Auslastung der Strecken im Winter
  • Möglichkeit einer persönlichen Befragung vor Ort

Probieren geht über Studieren – getestet wird auf folgenden Strecken in Hamburg:

Strecke 1: Elbuferweg in Nienstedten, westlich vom Fähranleger Teufelsbrück bis zum Elv-Restaurant

Strecke 2: Karolinenstraße in St. Pauli, vom Fernsehturm bis ca. zur Marktstraße

Dabei möchten wir herausfinden:
Wie Sie die einzelnen Test-Zonen in Punkto Sicherheit bewerten (Bremsverhalten) und welche übrigen Unterschiede Sie wahrnehmen konnten. Direkt nach Durchfahren der Testrecke** können Sie vor Ort an der Befragung teilnehmen (eine spätere Teilnahme online ist möglich).

** das Durchfahren der Teststrecke erfolgt auf eigene Gefahr. Eine Haftung des Veranstalter bei Personen- oder Sachschäden ist ausgeschlossen.

Radfahren im Winter? Aber sicher!

Übrigens: Beim Radfahren wird einem auch im Winter schnell warm, daher genügt ähnliche Kleidung wie im Frühling oder Herbst. Bei Frost an Handschuhe denken!

Wenn es draußen schneit und kalt ist, bleibt das Fahrrad oft einmal mehr im Warmen stehen. Obwohl es weiterhin das gesündeste und umweltbewussteste Fortbewegungsmittel ist. Wussten Sie, dass rutschige Radwege bei Schnee und Glätte einer der häufigsten Gründe dafür sind? Dicht gefolgt von der Angst vor Rücksichtslosigkeit anderer Verkehrsteilnehmer:innen.

Für sichere Radwege gibt es doch „Streusalz“?
Richtig, aber Natriumchlorid greift die Bäume und Pflanzen so stark an, dass das Hamburgische Wegegesetz keine Tausalze oder tausalzhaltige Streumittel auf Fuß- und Radwegen erlaubt. Denn je geringer der Abstand zu Bäumen und Sträuchern, desto größer sind die Schäden. Die eingesetzte Alternative Kies führt jedoch bei vielen Radfahrer:innen zu einem Gefühl der Unsicherheit und die Beseitigung ist nach dem Winter sehr aufwendig.

PDF zur „Don´t Steu Salz-Ausstellung“ der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft

 

10 gute Tipps für das Radfahren – auch im Winter

1. Reifenprofil

Achten Sie bei ihren Reifen auf ein gutes, nicht abgefahrenes Profil.

2. Reifendruck

Leichtes Absenken des Reifendrucks kann die Bodenhaftung erhöhen.

3. Beleuchtung

Sorgen Sie für eine funktionierende Beleuchtung.

4. Winterreifen

Einige Hersteller bieten spezielle Winterreifen für Fahrräder mit und ohne Spikes an.

5. Spikes

Spikes sind für Fahrräder erlaubt. Sie verbessern auf Eis den Grip, haben aber einen höheren Rollwiderstand.

6. Geschwindigkeit

Passen Sie Ihre Geschwindigkeit an und vermeiden Sie das Bremsen oder Pedalieren in Kurven. Auf geraden Strecken nicht lenken, sondern ausrollen.

7. E-Bikes

Bei E-Bikes ggf. die Unterstützungsleistung drosseln.

8. Fahrweise

Fahren Sie vorausschauend und mit Rücksicht auf andere Teilnehmer:innen deren Sichtfeld eingeschränkt sein könnte.

9. Abstand

Halten Sie Abstand zu andern Radfahrer:innen.

10. Nicht geräumte Radwege

Bei nicht geräumtem Radweg darf auf die Fahrbahn ausgewichen werden.